Kulturtipp, Frank von Niederhäusern

8. Dec 2016

Ein zerspieltes Stubenklavier, daneben ein simpel bestücktes Drumset: Mehr brauchen Hely nicht, um raumfüllend berauschende Klangwolken zu kreieren. Das junge Duo aus Zürich beginnt seine Stücke aus dem Nichts und lässt sie im Irgendwo enden. Dazwischen stacheln sich Pianist Lucca Fries und Drummer Jonas Ruther mit harmonischen und rhythmischen Minimalismen zu Klangideen an, die sie sukzessive zu treibenden Loops entwickeln und schliesslich zu kraftvoll wirbelnden Soundwolken steigern. Die Zuhörer – wie kürzlich im Ustermer «Hut» beobachtet – schliessen die Augen, öffnen ihre Ohren weit und entschweben in Innenräume oder Gedankenwelten. Irgendwann aber kehren alle in die reale Konzertsituation zurück und trauen ihren Sinnen nicht. Denn was dieses akustische Duo an Klangintensität schafft, ist aussergewöhnlich – und macht schlicht Freude. (...)

Der Landbote, „Alles im Fluss“, von Helmut Dworschak

11. May 2016

Das junge Zürcher Duo Hely mit dem Winterthurer Pianisten Lucca Fries und dem Schlagzeuger Jonas Ruther entwickelt auf der Basis von repetitiven Strukturen einen charakteristischen, von perkussiven Schlägen geprägten Sound. Das Ausgangsmaterial kann durchaus romantisch anmuten und wird entsprechend ausgekostet. Schicht um Schicht wird sodann hinzugefügt. Mit der Zeit entsteht so eine immer stärker vorwärts ziehende Dynamik, ein tranceartiger Fluss, der alles mit sich reisst. Schwillt das Gebilde wieder ab, dann nimmt Schlagzeuger Ruther die Besen und schlankeren Schlegel aus seinem Köcher und bringt das Ding mit feinem Gespür nach Hause - eine originelle Reise durch eine reduzierte, dennoch vielfältige Klanglandschaft.

Bird is the Worm, von Dave Summer

15. Oct 2016

The dense waves of intensity are no obstacle to the Hely duo of pianist Lucca Fries and drummer Jonas Ruther laying down some seriously hypnotic music. It’s the way that little melodic changes reveal themselves from within a dense fog of repetition that serve up one delightful moment after the other, and it’s the kind of thing that will transfix a person’s attention and almost make them oblivious to any dissonance or chaos in the surrounding area of a particular song… just out of anticipation of catching the next melodic reveal. The Swiss duo is pretty well immersed in the modern sound familiar to their region, and it’s their singular focus upon one aspect of it that really puts this album over the top.

Jazzthetik, von Andreas Schneider

1. May 2016

Ein Duo aus Klavier und Schlagzeug - eine ungewöhnliche Konstellation im Jazz. Bei dem Schweizer Duo Hely entstand sie ungewollt. Ursprünglich gehörte vor ein paar Jahren noch ein Bassist dazu, der die Band verließ. Einerseits suchten Lucca Fries und Drummer Jonas Ruther nach einem Ersatz, parallel dazu erprobten sie jedoch auch das Duo-Spiel. Irgendwann stellten sie fest, dass ihnen gar kein dritter Mann fehlte. Das individuelle Konzept von Hely war geboren. Mit ihrem zweiten Album Jangal verfolgen sie ein Konzept, das verschiedenste zeitgenössische Strömungen integriert. Der erste Track "Basinski" scheint direkt von Philip Glass' Soundtrack zu Koyaanisqatsi inspiriert zu sein. Obwohl Drummer Jonas Ruther fast nur die Becken benutzt, wirkt sein unerschütterlicher Maschinenbeat wie Hammerschläge. Mutet dieser Minimalismus zunächst eher an wie ein Gag, so entfaltet sich das Duo in den kommenden Stücken um so mehr. Das Titelstück führt in lyrische Gefilde. Der klassisch ausgebildete Lucca Fries führt an den Tasten souverän durch die klanglichen Abenteuer der Spätromantik, ohne dabei wie von gestern zu klingen. "Dwand" eröffnet Drummer Ruther mit einer ungewöhnlichen Schlagzeugmeditation. Ist es Jazz? Ist es Konzertmusik? Egal! Rhythmisch beherzt zur Sache geht es auf "XIII": Ein krummer Takt, gewürzt mit chromatischen Piano-Läufen. Insgesamt eher Musik für den Kopf als für den Bauch.

RonOrp, „Berauschender Minimal mit Beat“

23. Sep 2016

Hely, das ist wie ein wundervolles legales Halluzinogen. Mit hypnotischen Patterns und treibenden Rhythmen hüllen Lucca Fries (Piano) und Jonas Ruther (Drums) ihr Publikum in eine sphärische Klangwolke und führen es bis zur Ekstase. Mal erinnert man sich an afrikanische Trommelmusik oder Klaviermusik à la Philip Glass, mal trifft man auf die dunkle Harmonik von Debussy oder die Melancholie von Radiohead. Intensivsten Konsum dieser Droge lege ich dir schwer ans Herz!

Jazzthing 114, von Reinhard Köchl

28. May 2016

Wer gerne zum Zwecke der Entspannung eine silberne Scheibe in den Player schiebt und die daraus fließenden Klänge mit gedimmter Lautstärke vor sich hindudeln lässt, der sollte alles nehmen, bloß nicht „Jangal“ (Farsi für Dickicht). Denn das Schweizer Duo Hely um den Pianisten Lucca Fries und den Schlagzeuger Jonas Ruther nervt. Es lässt einen nicht in Ruhe mit seinen anschwellenden ostinaten Figuren, den zuspitzenden Stakkati, den tranceartigen Strudeln. Man wehrt sich, bis irgendwann der Widerstand bricht. Dennoch gewähren Fries und Ruther – jeder beherrscht das Instrument des anderen – gnädigerweise in atmosphärischen Passagen Erholung. Aber selbst eine ruhigere Nummer wie „Dwand“ dringt irgendwann bis zur äußersten Schmerzgrenze vor. Fries und Ruther bedienen sich dabei aus dem klassischen Minimalismus ebenso wie aus der Spiritualität Coltranes, ohne sich stilistisch daran festzurren zu lassen. Aus dem ehemaligen Trio, dem der Bassist davonlief, entstand eine Art mentale Symbiose, die verstört, aber beim genauen Zuhören doch überraschen kann. Musik wie ein Urwald mit giftigen Schlangen und einem großen Ameisenhaufen.

sound-and-image.de

1. May 2016

Ein Pianist und ein Schlagzeuger auf der Suche nach Innovation. Lucca Fries und Jonas Ruther (beide aus der Schweiz) setzen sich nach eigener Aussage keine stilistischen Grenzen, wollen frei sein von Dogmen und Modeerscheinungen. Wer sich lange genug im Jazz umgehört hat, weiß, dass solche Aussagen zumeist nichts Gutes verheißen. Bei dem Schweizer Duo liegen ähnliche Verdachtsmomente vor, die durch den Intro-Track direkt ein wenig bestätigt werden. Kein Melodiegefüge umschmeichelt das Ohr, dafür präsentiert Fries anschwellende, gehackte Akkorde über eine Strecke von fünf Minuten. Dahinter weitet sich allerdings der Horizont. Das titelgebende Stück „Jangal” hat etwas Magisches und die Verbindung von Perkussion und Flügel funktioniert erstaunlich gut, auch wenn die Atmo insgesamt etwas düster bleibt. Die ersten beiden Aufnahmen dieser CD stehen eigentlich stellvertretend für den Rest. Gefühlige Harmonien und komplexere Strukturen wechseln sich ab und ergeben als Ganzes dann letztendlich doch ein Hörerlebnis, das man weiterempfehlen kann, wenngleich der Hörer schon ein wenig Abenteuerlust mitbringen sollte. „Jangal” ist übrigens ein Ausdruck aus dem Persischen und bedeutet „Dickicht”. Gut, dass sich Fries und Ruther darin nicht verheddert haben.

Jazzpodium, von Rainer Bratfisch

1. May 2016

Piano und Drums? Dem Duo aus Zürich gelingt auch auf der zweiten CD eine äußerst homogene Musik. Die Ursache: ein tiefes Verständnis für den jeweils anderen. Pianist Lucca Fries lernte bereits früh Schlagzeug, Drummer Jonas Ruther spielte schon als Kind Klavier. Manchmal tauschen sie heute sogar die Instrumente. Diese mehr als intuitive Nähe manifestiert sich in einer äußerst subtilen Interaktion, in eng miteinander verschränkten rhythmischen Patterns und einem Sound, der vom gleichberechtigten Miteinander der beiden Instrumente geprägt ist. Klarheit und Komplexität haben einen ebenso hohen Stellenwert wie eine interessante Harmonik und facettenreiche Klangfarben. Expressive Klänge wechseln mit eher kontemplativen Passagen, stilistische Grenzen sind für beide Musiker nur da, um überschritten zu werden. Elektronische Effekte haben sie mittlerweile fast gänzlich aufgegeben, dafür sind kompositorische Elemente wichtiger geworden. Übrigens: "Jangal" ist gleichbedeutend mit Jungle, und als einen solchen Urwald mit einer Vielzahl von Farben und Tönen interpretieren sie auch ihre Musik. Come to the jungle, looking for adventure. Überraschungen inklusive. Und seien es nur klangliche. Spannend ist diese Musik allemal.

Der Landbote, „Suggestive Minimal Music mit Beat“, von Gabriele Spiller

19. Mar 2014

Lucca Fries geht seinen ersten Auftritt im Bistro Dimensione hochkonzentriert an. Bald hüllt eine Soundwolke die zahlreichen Zuhörer ein. Mit zehn Fingern schlägt er die Akkorde in die Tastatur des Klaviers, der Schlagzeuger bleibt genauso energiereich bei seinen gegenläufigen Beats. Das Duo produziert eine gute Stunde lang einen Klang, dem man sich schwer entziehen kann. Bei manchen Melodien macht Fries da weiter, wo Eric Satie aufgehört hat. Andere Stücke klingen so psychedelisch, als ob die Hippie-Beatles ein Tape rückwärts laufen liessen. Charakteristisch für die Formation Hely ist jedoch das hämmernde Vorantreiben der eigenen Kompositionen. Mal ist es das Piano, mal das Schlagzeug, das die Dampfmaschine spielt und an die Grenzen des Erträglichen geht. Die gelegentlichen Interventionen mit Holzstäbchen oder Spieluhrwalzen an den Klavierseiten sind eher eine verzichtbare Spielerei. Die Stärke des Duos liegt im isorhythmischen Gebaren, in den Wiederholungen, die sich wie Interferenzen überlagern und etwas Neues kreieren. Während Fries Mikrofugen produziert, hält Ruther den sich verschiebenden Takten stand. Einigen Passagen ist noch etwas mehr von der intelligenten musikalischen Verdichtung zu wünschen, die das Duo perfekt beherrscht. Das Repertoire des Abends stammte von der im November erschienenen CD «Rapture». Bei der Begrüssung hatte Lucca Fries kurz erklärt, er habe sich schon als Gymnasiast oft im «Dimensione» aufgehalten und dort eines Tages auftreten wollen. Ein Jahrzehnt und ein Jazzstudium später hat sich sein Wunsch erfüllt. Für die Besucher war das Konzert ein aussergewöhnliches Live-Erlebnis, zu dem die hautnahe Atmosphäre des kleinen Lokals durchaus beigetragen hat. Sie waren entrückt in eine andere harmonische Sphäre, immer indes mit dem wippenden Fuss im Hier und Jetzt.